Museum
Die Stiftung der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine
unterhält in Speyer das Haus der Badisch-Pfälzischen Fasnacht. Dieses ist in einem ehemaligen Turm der Landwehr von Speyer, d. h. der vorgelagerten Stadtbefestigung der Stadt, dem Wartturm, früher Wormser Warte, und einen Anbau zum Turm untergebracht. Das Haus ist Treffpunkt, Museum und Archiv des Verbandes. Ein Förderkreis von 400 Mitgliedern und ein Stiftungsvermögen von 1,8 Millionen Euro stellen die materiellen Grundlagen für die Arbeit bereit.
Das Haus, Wormser Landstraße 265, 67346 Speyer liegt am nördlichen Ende derselben und markierte den nördlichsten Punkt der alten Speyerer Landwehr. Westlich über die Kreuzung beginnt die Landwehrstraße, deren südwestlicher Verlauf die frühere Lage der Speyerer Landwehr dort markiert.
Geschichte der Wormser Warte
Die „Wormser Warte“ war einst Teil der „Landwehr“ (Feldbefestigung), wie sie befestigte Reichsstädte – neben Speyer beispielsweise Frankfurt, Schwäbisch Hall oder Rothenburg – im 14. und 15. Jahrhundert zum Schutz letzten Zeugen mittelalterlicher Stadtgeschichte erhalten werden konnte. gegen feindselige Nachbarn, Schnapphähne (= berittene Wegelagerer), räuberisches Gesindel und versprengte Söldnerhaufen errichtet haben. Auch Felddiebe waren vor den im Wartturm Ausschau haltenden Wachsoldaten nicht sicher. Ein mit undurchdringlichen Hecken bepflanzter Wall schützte die Felder und Äcker der Stadtbürger. „Wo die Ausfallstraßen den Landwehr-Wall kreuzten, sperrten Schlagbäume oder Wehren die freie Durchfahrt“ (Klotz, Kleine Stadtgeschichte, 1988). In Speyer wurden ab 1410 zunächst aus Holz erbaute (Landauer Warte, Berghäuser Warte) und später „steinerne Warten“ errichtet – die letzte 1451 als „Wormser Warte“ an der wichtigen Wegegabelung zum Rhein und zur Haardt. Eine noch erhaltene über dem Torbogen eingemauerte Steinplatte besagt, dass „Anno domini MCCCCLI (1451) ist die Werk gemach(t); zu der Zit waren Burgermeist. Conrad Wißhar und Claus Rinckeberg, Buwemeist. (= Baumeister) Jordan und Hans Kunc“. Vorher stand hier bereits eine Holzwarte, wie Karl Rudolf Müller („Die Mauern der freien Reichsstadt Speyer“, 1994) nachweist. Vermutlich hat man in ein ursprüngliches Fachwerkgeviert, wie wir es von den früheren Holzwerken kennen, 1451 nur den rechteckigen, aus der Umfassungsmauer hervorspringenden Steinturm eingefügt. Das vierte Geschoss barg eine Wachstube. Hundert Jahre später dürfte dann die noch teilweise erhaltene Umfassungsmauer erneuert worden sein. In einem Flurplan von 1715 ist der Turm der „Wormser Warte“ noch ohne Dach mit einer flachen Wehrplatte dargestellt. Demnach dürfte das schlichte Zeltdach erst im 18. Jahrhundert aufgesetzt worden sein. 1803 durfte sich der städtische Förster die Warte als Wohnung herrichten. Damals erhielt der Turm auch größere Fenster anstelle der Schießscharten. Später wurde der Wartturm als „Chausseehaus“ für die Straßenwärter eingesetzt, bis er nach Beschuss durch Panzergranaten 1945 bei der Eroberung Speyers durch die Amerikaner ausbrannte
Nirgendwo hätte das Fasnachtsmuseum mit seinen Exponaten und Dokumenten aus längst vergangenen Zeiten närrischen Brauchtums einen geeigneteren Platz finden können als in diesem Turm, der als einer der Jahrzehntelang als ausgebrannte, dachlose Ruine die Zufahrt nach Speyer-Nord prägend, wurde er 1971 bis 1973 mit Mitteln der Stadt und des Landes restauriert, um gemäß Georg Fleischmanns Vorschlag das Fasnachtsmuseum aufzunehmen.
Geschichte der Vereinigung und der Stiftung
Die Idee zur Gründung des Verbandes wurde im August 1937 während einer Rheinschifffahrt des Karnevalvereins „Fröhlich-Pfalz“ aus Mannheim mit befreundeten Karnevalsvereinen nach Worms geboren.
Am 10. Oktober 1937 trafen sich 16 der 29 eingeladenen Vereine und 77 Vertreter fassten den Beschluss eine Arbeitsgemeinschaft Oberrheinischer Karnevalsvereine zu gründen. Die Gründung und Treffen des Vereins bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges fanden unter dem Dach des Verkehrsvereines Speyer statt, dessen Vorsitzender der Speyerer SA-Standartenführer Karl Delobelle gewährleistete, dass die Vereine im Sinnes des NS-Staates funktionierten. In der Parteizeitung NSZ Rheinfront hieß es dazu, der Zusammenschluss solle ”künftige Veranstaltungen auf eine gemeinsame Linie bringen”. Delobelle gab daher, wie es im ”Pfälzer Anzeiger” heißt, dem von der Großen Karnevals-Gesellschaft Mannheim-Lindenhof eingebrachten Antrag auf Gründung des Zusammenschlusses ”eine neue Fassung”. Im Pfälzer Anzeiger wurde erklärt, welchen Zielen die Fastnacht dienen sollte. Es war von den Fasnachter als ”Offizieren des Humors” die Rede und davon, dass sie ”im deutschen Volke wieder Lachen und Frohsinn ” fördern wollten, ”um dadurch auch wieder dem Führer zu helfen, Deutschland schöner zu machen”.[1]
Nach dem Krieg, bereits 1946, gründeten die sieben Pfälzer Vereine wieder eine Arbeitsgemeinschaft. Die am Rhein verlaufende Besatzungsgrenze verhinderte Kontakte in die Kurpfalz und nach Baden.
Nach der Gründung von Unterverbänden 1949 schloss man sich jedoch 1951 unter dem heutigen Namen zusammen.
1955 gehörten 59 Vereine, 1956 schon 75 Vereine und trotz Austritts der saarländischen Vereine 1965 wieder 94 Vereine und 1972 gar 116, 1974 schließlich 134 Vereine dem Verband an. Heuer im Jahr 2025 zählt die Vereinigung 380 Mitgliedsvereine mit über 145.000 Aktiven in 4 Bezirken. Die Vereinigung besteht aus den Bezirken Mittelbaden, Nordbaden, Vorderpfalz und Westpfalz. Die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine e.V. mit Sitz in Speyer hat die Stiftung „Haus der Badisch-Pfälzischen Fasnacht“ mit Sitz in Speyer am Rhein im Jahre 1986 errichtet.
Aufgabe der Stiftung ist die Unterhaltung und das Betreiben eines Museums, um anhand von Dokumenten und Zeitzeugnissen die Entwicklung der fasnachtlichen Bräuche aufzuzeigen und der Öffentlichkeit in einer geordneten Ausstellung zugänglich zu machen. Es wird damit das allgemeine Wissen um die fasnachtlichen Bräuche verbessert und die kulturhistorische Entwicklung der fasnachtlichen Bräuche im Bewusstsein der Öffentlichkeit verstärkt.
Denkmalschutz rettet die Ruine
Als am Ende des zweiten Weltkrieges der Wartturm in das Schussfeld heranrückender amerikanischer Truppen geraten war und einige Panzergranaten sinnlos in seine Nordwestflanke gefeuert wurden, brannte das Innere des Turmes völlig aus. Es blieb nur eine Ruine stehen, die fast abgerissen worden wäre, hätte nicht die Landesdenkmalpflege und die Stadt Speyer dem letzten Zeugen Speyerer Stadtbefestigung – neben dem Altpörtel – besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Erhebliche Zuschüsse der Denkmalpflege und städtische Mittel waren erforderlich, um den Wartturm in den Jahren 1971 bis 1973 wieder aufzubauen und ihm ein neues Zeltdach aufzusetzen. Der damalige Präsident der Vereinigung Georg Wilhelm Fleischmann (1907-1974) konnte die Verantwortlichen der Stadt für seinen Plan gewinnen, in dem Wartturm ein Fasnachtsmuseum einzurichten. Das Land Rheinland-Pfalz und vor allem der damalige Kultusminister und spätere Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel unterstützten wohlwollend das Vorhaben.
Präsidenten waren Georg Wilhelm Fleischmann (1937 bis zu seinem Tod 1974) und Dr. Werner Pfützer (1974 bis 2003 ). Von 2003 bis 2009 übte Günter Hauck das Amt aus, ehe er die Verantwortung in jüngere Hände legte. Auf der Jahreshauptversammlung 2009 wurde Jürgen Lesmeister aus Ramstein als 4. Präsident der Vereinigung gewählt und führt seither den zweitgrößten Landesverband im BDK.
1987 erwarb die Vereinigung das an den Wartturm angebaute Haus, das auf den Grundmauern der ehemaligen Unterkunft für die wachhabenden Stadtsoldaten steht und später jahrzehntelang als Wohnung benutzt worden war, von den Besitzern (Fa. Holtzmann) als Eigentum, zusammen mit einem gegenüberliegenden Schuppen und dem dazugehörigen Grundstück. Das Wohnhaus musste von Grund auf saniert und zweckentsprechend umgebaut werden. Der Schuppen, der dem Neubau weichen musste, konnte mit viel Eigenarbeit zu einem kleinen Seminarraum ausgebaut werden. Ein Stück der ehemaligen Mauer, die den Wartturm auf seiner Rückseite schützte und eine Schießscharte konnten erhalten werden.
Das Fastnachtsmuseum
zeigt eine umfangreiche Sammlung von Urkunden, alte Fotografien und Dokumente. Liederbücher und Liedertexte gehören hier ebenso dazu wie alte Veranstaltungsprogramme und „Narrenpässe“. Zu sehen sind Zugprogramme aus dem Jahre 1831 (Speyer), 1901 (Kaiserslautern), aus Landau, Eberbach (1862) und Mannheim. Diese und andere wertvolle Exponate werden ergänzt durch eine große Sammlung von Karnevalsorden, altehrwürdige Narrenkappen, historische Gardeuniformen sowie fantasiereiche Kostüme für Bühne und Bütt, für Tanzmariechen und Gardisten.
Die „Lehmannschen Chronika“ (1662)
die hier ausgestellt wird, belegt, dass es Fastnacht bereits 1296 in der alten Reichsstadt gab. Ein Narrenhelm von 1841 aus Speyer.
