„Kein einfaches und kein leichtes Jahr“
Trotzdem blickt die Vereinigung auf ein erfllgreiches Jubiläumsjahr
Noch rechtzeitig vor dem Start in die närrische Kampagne haben die Mitglieder der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine ihre satzungsrechtlichen Aufgaben bei der Mitgliederversammlung in der „Kalause“ des Karnevalverein (KV) Kaiserslautern erledigt. Im Mittelpunkt stand diesmal der Jahresbericht von Präsident Jürgen Lesmeister, der auf die Entwicklung der letzten 12 Monate in der Vereinigung einging. So sprach Lesmeister im Kreise der Karnevalisten „von einem für die Vereinigung bis zuletzt kein einfaches und kein leichtes Jahr“. Er begründete dies mit der mühevollen Aufarbeitung der Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung des früheren und mittlerweile verstorbenen Schatzmeisters. Das sei auch der Grund, für die im Januar während der Hochphase der Fasnacht einzuberufende außerordentliche Mitgliederversammlung gewesen. „Es war uns wichtig unsere Mitglieder zu informieren, zum anderen um ein Votum zu erhalten, wie wir in dieser Angelegenheit weiter vorgehen sollen“, sagte Lesmeister rückblickend.
374 Vereine bilden Vereinigung Baden-Pfalz
Aktuell gehören der Vereinigung 374 Vereine in den vier Bezirken an. Hier erinnerte der Präsident daran, dass auch im Beisein des juristischen Beistands, Herrn Rechtsanwalt Dr. Falko Zink die Mitglieder mit überwältigender Mehrheit dem Präsidium das Votum erteilt hatten, die Aufarbeitung weiter zu verfolgen. So wurde inzwischen eine Strafanzeige gegen den KC 2003 Deidesheim wegen Betrugs bei der Staatsanwaltschaft Frankenthal eingereicht. Im Juni erfolgte nach dem vorläufigen, auch der endgültige Ausschluss des Vereins. Der Ausschluss wurde dem Verein mittlerweile schriftlich zugestellt. Ebenso ist beim Landgericht Frankenthal die Klage gegen die Erben des verstorbenen Schatzmeisters eingereicht worden. Diese Ansprüche der Vereinigung beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2023 und die ersten 6 Monate 2024. Für diesen Zeitraum wurden die Präsidiumsmitglieder einzeln von der Mitgliederversammlung nach dem Finanzbericht von Schatzmeister Franz Kullack entlastet. Die Entlastung des früheren Schatzmeisters blieb aus. Für das zweite Halbjahr 2024 wurde das Präsidium geschlossen entlastet. Zuvor haben die beiden Kassenprüfer Thomas Barth und Franz Völkel, sehr detailliert, ihre Überprüfungen der Belege den Mitgliedern geschildert. Hier dankte Lesmeister, Rechtsanwalt Dr. Zink, der in dieser Sache gemeinsam mit Schatzmeister Franz Kullack die Aufarbeitung und weitere Abwicklung der Angelegenheit führt.
Enttäuscht über Berichterstattung in „Die Rheinpfalz“
Mit Bedauern, aber auch mit Enttäuschung reagierte Lesmeister auch auf die jüngste Veröffentlichung in der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ in der Angelegenheit Timo Alexander Rubert. Hier machte er deutlich, dass er hier falsch zitiert worden sei. Hier habe Pressereferent Jochen Willner mit mehreren Schreiben an den verantwortlichen Redakteur die Sichtweise des Präsidenten dargestellt und um eine Gegendarstellung erbeten, was diese abgelehnt hatte. Besonders bitter stieß im Kommentar die Pauschalverurteilung aller Fasnachter als „unanständig“ auf. Lesmeister hatte auch erfreulichere Themen. So erinnerte er an die Gründung der Vereinigung im Oktober 1937, als vor 88 Jahren durch den Bäckermeister Georg Wilhelm Fleischmann. Das närrische 88jährige Jubiläum soll sich durch das Jahr 2025 und die Kampagne 25/26 durchziehen. So folgte der Auftakt mit einem Sommerfest mit Jugendtag als Tag der offenen Tür im und am Fasnachtsmuseum in Speyer. Ein weiteres Ereignis steht in anderthalb Wochen an. Denn am 11.11.1975, also vor genau 50 Jahren, wurde der historische Wartturm, Teil der früheren Stadtbefestigung, von der Stadt Speyer der Vereinigung übergeben mit dem Ziel, in dem restaurierten Turm ein Fasnachtsmuseum zu gründen. Da wagte Lesmeister nochmals einen Rückblick.
Vielzahl von Veranstaltungen im Jubiläumsjahr
So habe die Vereinigung nach jahrelangem Zögern sich entschlossen, das jährlich in den Südverbänden stattfindende BDK-Freundschaftstreffen auszurichten. Dieses Brauchtumsfest mit Brauchtumsgruppen aus dem Verband und Süddeutschland fand in Verbindung mit dem 1. Verbandsnarrentreffen in Ketsch statt. Die Altrheingemeinde stand drei Tage im Februar im Mittelpunkt des Geschehens. Ob Narrenbaumstellen, Brauchtumsabend, ökumenischer Gottesdienst, Zunftmeisterempfang oder als Abschluss der große Narrensprung – alle Veranstaltungen waren rundum gelungen und die zahlreichen Gäste haben sich wohl gefühlt. Neben der Gemeinde Ketsch gebührt ein großes Lob dem Hauptverantwortlichen dem Häsbeauftragten Martin Beuchert. Die zweite Großveranstaltung war die Ausrichtung der 46. BDK-Präsidialtagung im September in Mannheim und Heidelberg. Nachdem Südkonvent 2024, den wir in Kaiserslautern und zum Teil auch hier in der Kalause ausgerichtet haben, trafen sich nun ca. 200 Karnevalisten aus den 35 Regionalverbänden des BDK in der Kurpfalz. Dieses Jahr fand auch die Verleihung des BDK-Ehrenrings im historischen Ratssaal des Heidelberger Rathauses an den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, der sich nun Sonderbotschafter des BDK nennen darf.
Lesmeister kritisiert „pauschale Verurteilung als Unanständig“
Lesmeister weiter: „Wie die erwähnten Veranstaltungen, so ist auch die gesamte zurückliegende, lange Kampagne 24/25 für die Vereinigung wieder einmal sehr erfolgreich verlaufen. Angefangen von der Ordensvorstellung in Blieskastel, über den glanzvollen Ball der Prinzessinnen mit einem fliegenden Präsidenten, den großen Verleihungen der Goldenen Löwen mit und ohne Brillanten bis zum Höhepunkt der Fernsehsitzung aus Frankenthal und den abschließenden Männerballettmeisterschaften unmittelbar nach Fasnacht, konnten wir den Menschen auch in wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeiten Freude bereiten und sie die Alltagssorgen vergessen lassen. Wir konnten aber auch zeigen, wie facettenreich die Fasnacht in Baden und der Pfalz ist und – was in jeder Kampagne am wichtigsten ist, wir erleben die immense Zahl an Menschen, Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen bis ins hohe Erwachsenenalter, die jedes Jahr mit Herzblut ihre Verbundenheit zu unserem Brauchtum, Fasching, Fasnacht, Karneval zeigen und die dieses Brauchtum mit ihrem ehrenamtlichen Engagement am Leben halten und in die Zukunft tragen. Ihnen allen sage ich ein von Herzen kommendes Dankeschön für ihren Einsatz und ihre Liebe zur Fasnacht. Und gestatten Sie mir die Anmerkung, das sind alles Närrinnen und Narren mit Anstand!“
Besonders lobte Lesmeister in seinem Jahresbericht den wichtigen Bestandteil der Fasnacht, den karnevalistischen Tanzsport. „Jeder Verein kann stolz sein auf seine tanzende Jugend, die ein wichtiger Bestandteil der Zukunft unserer Vereine darstellt. Deshalb auch an dieser Stelle allen unseren Tänzerinnen und Tänzern mit ihren Trainerinnen und Trainern und den Betreuungsteams und besonders auch den unterstützenden Eltern ein großes Lob und Dankeschön für ihr Engagement im Bereich des karnevalistischen Tanzsports“, sagte der Präsident und würdigte auch die Vereine in der Vereinigung, die mit großem personellem Aufwand, BDK-Qualifikationsturniere auszurichten.
Museum in neuem Glanz
Geschäftsführer Gerald Bleimaier gab bekannt, dass die Umbaumaßnahmen im Turm nahezu abgeschlossen sind. Die Exponate wurden neu geordnet und werden nun zeitgemäß der Öffentlichkeit präsentiert. Hinzugefügt wurden die Nachlässe des früheren Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Thüringen, Dr. Bernhard Vogel sowie dem dritten Vereinigungspräsidenten Günter Hauck. Letztgenannter hat auch seine Auszeichnung, den Goldenen Winzer, den die Derkemer Grawler alljährlich an Persönlichkeiten vergeben, dem Museum vermacht. Ebenso kann auch die Augusten Kapelle aus Karlsruhe im Museum bestaunt werden. Am 09.11.205 wird die neue Ausstellung im Rahmen des Turmjubiläums eröffnet. Zudem kann sich jeder für 11,11€ im Monat auf der neuen Förderwand das Museum finazlell unterstützen. Einen besonderen Dank richtete Bleimaier an Martin Beuchert für seine Unterstützung bei der Umgestaltung des Museums.
Erstmals Verleihung des Stern mit Brillanten
Zum Abschluss der Mitgliederversammlung gab Präsident Jürgen Lesmeister noch zwei Personalien bekannt: Zum ersten Mal wurde im Verbandsgebiet die höchste Auszeichnung des BDK, der Stern mit Brillanten verliehen. Marianne Bleimaier aus Bellheim wurde für ihre Verdienste in ihrer über 60jährigen Aktivität ausgezeichnet. Eine personelle Änderung gab es auch im Präsidium: Nach 26 Jahren im Amt des Bezirksvorsitzenden Mittelbaden wurde Thomas G. Schwaab im August zum Ehrenbezirksvorsitzenden Mittelbaden ernannt. Sein Nachfolger im Amt und damit im Präsidium ist Peter „Pepe“ Rensch von den Piraten Stutensee. Weiterhin gab Lesmeister noch einige Termine bekannt: Die Vorstellung des Jahresordens mit geladenen Gästen erfolgt am 06. November in Billigheim-Ingenheim. Bereits drei Tage später findet aus Anlass des 88. Geburtstages und dem 50-jährigen Bestehen des Turms nach seiner Übergabe an die Vereinigung im Haus der Badisch-Pfälzischen Fasnacht ein Jubiläumsmatinee mit dem Besuch der neu gestalteten Museumsräume. Zu diesem Anlass gibt es auch einen neugestalteten Jubiläumspin. Darüber hinaus informierte er auf die am 24./25. und 26. November stattfindenden Förderkreisabende. Auch werde bald das Portal zum Erwerb der Eintrittskarten für die TV-Sitzung geöffnet. Hierzu ergeht noch ein gesonderter Hinweis per Newsletter.
Presse: Jochen Willner
